Kurzrezi: Politischer Tango

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Franco Barrionuevo Anzaldi
Politischer Tango. Intellektuelle Kämpfe um
Tanzkultur im Zeichen des Peronismus

Reihe TanzScripte Bd. 23,
hrsg. v. G. Brandstetter und G. Klein
transcript Verlag Bielefeld 2012
164 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-8376-1794-8
Preis: 23,80 Euro

Franco Barrionuevo Anzaldi wagt mit „Politischer Tango. Intellektuelle Kämpfe um Tanzkultur im Zeichen des Peronismus“ den Versuch einer kritischen Geschichtsschreibung des Tango.

Das Buch beruht auf einer Magisterarbeit in den Politikwissenschaften und bietet all jenen wertvolle Informationen, die ein tiefergehendes Interesse daran haben, sich mit der Geschichte Argentiniens und des Tangos auseinanderzusetzen. Er zeigt darin auf, dass die Mythen, die als vermeintlich „authentisches“ Wissen über die Entstehung und Entwicklung des Tangos nicht nur Teil des kulturellen Gedächtnisses Argentiniens, sondern zugleich auch Teil eines Diskurses um die Definition des Woher und Wohin der argentinischen Nation sind.

So widmete er sich in seiner Forschung insbesondere einem Zeitraum, der als ereignisarme Zeit in der Tangogeschichte gilt, nämlich den Jahren des Postperonismus zwischen 1955 und 1973. Gerade in diesen Jahren sind zahlreiche Werke der Tangoliteratur erschienen, die heute als Standardwerke gelten, etwa von Blas Matamoro oder Horacio Ferrer. Barrionuevo Anzaldi weist nach, dass diese Tangographien als Teil der politischen Realität der 60er Jahre zugleich Teil einer intellektuellen Argumentation für peronistische Werte sind, die bis heute die argentinische Gesellschaft prägen. Überall dort, wo unhinterfragt nur der Tango als „echter Tango“ wahrgenommen wird, der als ursprünglich, ländlich, volksnah gilt, dient die Argumentation zugleich der Konsolidierung bestimmter politischer Werte.

Etwas zu weit geht meiner Ansicht nach seine Schlussfolgerung, diese Literatur habe zur Radikalisierung der Gesellschaft hin zu den bürgerkriegsähnlichen Zuständen der 60er Jahre geführt. Nichtsdestotrotz gelingt ihm der Nachweis, wie eng Tango- und Staatsphilosophie in Argentinien verknüpft sind. Das führt beim Lesen zu diversen Aha-Effekten.

Erstveröffentlichung: Tangodanza No. 3-2012

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